Die Schwelle in ein neues Leben

Genau heute vor zwei Monaten begann ein neues Kapitel im Leben von meinem Mann und mir. Nach jahrelanger Suche und vielen Rückschlägen sassen wir am Vormittag des 21. Juni gemeinsam mit meinen Eltern beim Notar und konnten den Kaufvertrag für unser Haus unterzeichnen.

Schon zu Beginn unserer gemeinsamen Suche waren wir uns über einige Eckpunkte einig: wir wollten ein historisches und möglichst ursprünglich belassenes Haus, zum Beispiel mit alten Balkendecken und original Fliesen ohne große Modernisierungen, wenn möglich in Alleinlage oder aber zumindest in Waldnähe. Ein weiteres wichtiges Kriterium für uns war das Vorhandensein einer eigenen Quelle.

Unsere Suche konzentrierte sich auf drei Regionen, Ostwestfalen, die Heimat meines Mannes, in der es wunderschöne historische Fachwerkhöfe gibt, den Thüringer Wald, eine Region, die mir durch einen sechsjährigen Studienaufenthalt durch ihre unverbaute Natur sehr ans Herz gewachsen ist und auf den Bayerischen Wald, meine Heimat und der Wohnort meiner Eltern. Schnell stellte sich heraus, dass unsere Wünsche gar nicht mehr so leicht zu finden sind und mehr als einmal wurde uns unser Wunschobjekt vor der Nase weggeschnappt.
Im Mai 2016 besichtigten wir das erste Mal eine, für uns bereits im Exposè sehr vielversprechende, Immobilie auf einer Waldlichtung in den Höhen des Bayerischen Waldes. Das Haus ist 200 Jahre alt und wurde in früheren Zeiten von Forstarbeiterfamilien bewohnt.

Ein eigenere Quellbrunnen sprudelt vor dem Haus und versorgt das ganze Haus mit Quellwasser. Innen ist ein original alter Steinkamin erhalten, sowie 100 Jahre alte Fliessen und autentische Türen. Wir waren bereits beim Betreten des Grundstückes begeistert von dem Haus und seiner Lage. Eingeschmiegt zwischen die Waldränder liegt es wie in einem kleinen Nest auf einer Lichtung und man ist umgeben von den Geräuschen der Waldbewohner , Vogelstimmen und dem Rauschen der Bäume.

Leider konnte der damalige Besitzer sich ebenfalls nur schweren Herzens von dem Haus trennen und wollte erst verkaufen, wenn er andernorts ein gleichwertiges Objekt gefunden hatte. Im Laufe der Zeit ergab sich eine Freundschaft zu dem Vorbesitzerehepaar und über viele Besuche hinweg hielten wir an dem Haus fest und hofften auf den Tag, an dem der Verkauf möglich werden würde. Diese Zeit gestaltet sich nicht immer leicht. Mehr als einmal verzweifelten wir über der Ungewissheit, ob wir das Warten aufgeben und nach etwas anderem Ausschaut halten oder an unserem Traumhaus festhalten sollten.

So verging die Zeit und über zwei Jahre später, im Juni 2018, erhielten wir völlig überraschend den Anruf, dass das Besitzerehepaar nun ein neues Haus in Österreich gefunden hatte und endlich alles spruchreif gemacht werden könnte. Es folgten ereignisreiche Wochen in denen alles rechtliche geklärt werden musste, bis wir schliesslich die rechtmässigen Besitzer des Bauernhauses wurden.
Noch haben wir es gar nicht ganz realisiert, wir können aktuell noch nicht vor Ort sein, da mein Mann noch seine alte Arbeitsstelle in NRW beibehalten hat. Im Herbst diesen Jahres erfolgt dann aber der große Umzug und das Einrichten unseres Hauses. Auch bei der Einrichtung wollen wir so originalgetreu wie möglich bleiben und passende Möbel und Gebrauchsgegenstände aus der Zeit integrieren.

Mit dem ersten Winter steht dann auch schon die erste große Herausforderung vor der Tür: das Haus liegt auf 900m Höhe und verfügt über keine befestigte Zufahrtsstrasse. Aber so sind eben auch die größten Lebensträume mit kleinen Hürden verbunden. Die größten Hürden liegen nun hinter uns und wir bleiben den Vorbesitzern in Dankbarkeit verbunden, dass sie uns diese Chance ermöglichen. Da ihnen der Abschied von „ihrem“ Haus sehr schwer fällt und als Zeichen unseres Dankes habe ich ihnen als Erinnerung ein Bild des Hauses gemalt.

Nun bleibt mit Spannung abzuwarten, was die Zukunft alles für uns bereit hält und den Moment der Vorfreude auszukosten, sowie gleichsam die Gewissheit, dass sich im Leben alles fügt, selbst wenn man dafür stellenweise schwierige Strecken in Kauf nehmen muss.

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