Schafabtrieb Nassfeld 2018

1500 Schafe, die den Sommer auf den Almwiesen in bis zu 2800 Metern Höhe zugebracht haben, wurden am ersten Septemberwochenende in das Tal getrieben, um dort nach dem Scheren von ihren jeweiligen Bauern abgeholt und in die Winterquartiere, die Ställe im Tal, gebracht zu werden.
Bereits kurz nach der Morgendämmerung ging der Aufstieg auf die Almen los, um die Schafe zusammenzutreiben.

Auf den weitläufigen Almwiesen erfordert es einiges an Lauf- und Kletterarbeit um alle Tiere einzusammeln.

Schliesslich konnte es talwärts gehen. Die Schafe werden durch gezielte Zurufe in der Gruppe gehalten. Anders als beim Kuhabtrieb kommen hier keine Hunde zum Einsatz. Die Hunde würden die Schafe versprengen und beim Abstieg nervös machen.

Manch einer musste getragen werden, so anstrengend war der Abstieg.

Im Tal angekommen wurden alle Schafe gesammelt und gezählt.

Zwei schwächere Tiere befanden sich noch in einiger Höhe und brauchten Hilfestellung um nach unten zu gelangen. Dann aber war der schmale Steig frei und die Bergwiesen leer.

Ein schöner Almsommer neigt sich dem Ende zu. Die Berge bereiten sich auf den ersten Schneefall vor, während die Tiere noch die letzten Sommenstrahlen geniessen.

Der nächste Sommer kommt bestimmt…

Abschied von der Heimat meines Mannes

Früher (teilweise noch bis in die letzte Generation hinein) waren die Lebenswelten der Menschen in einem engen Radius angesiedelt. Meistens war es so, dass man in einem Dorf geboren wurde und dort auch verstarb.

Heute verhält sich das ganz anders: uns stehen alle Möglichkeiten, ja im wahrsten Sinne des Wortes die ganze Welt, offen. Was einerseits unterschiedlich geartete Chancen mit sich bringt, kann andererseits aber auch eine Bürde sein. Ein heimatlicher Ort, eine lange bekannte Region, ein festes Netz an Kontakten und Zugehörigkeiten, all dies vermittelt eine starke Beständigkeit und Sicherheit. Wie aufwühlend kann es doch sein, diese Strukturen zu verlassen um an einem fremden Ort neu zu beginnen. Heimat ist eben doch nicht nur da, wo das Herz ist, viele weitere Faktoren färben diesen Begriff.

Mein Mann lebte fast 30 Jahre in dem Dorf, in dem er auch geboren wurde und nun zieht er 800km weit weg nach Bayern, damit wir dort ein gemeinsames Leben in meiner Heimat führen können. In der Zeit, in der ich nun seine Heimatregion kennen lernen durfte, habe ich diese sehr zu schätzen und auch zu lieben gelernt.
Dort finden sich viele kleine Dörflein mit wunderschönen alten Fachwerkhäusern.

Ganz anders als ich es aus meiner heimatlichen Umgebung kannte, aber trotzdem sehr heimelig und beschützend.
Nicht nur der Baustil der Region übt auf mich eine große Faszination aus, auch die Inneaufteilung sowie die Einrichtung der Häuser sind sehr detailiert und ansprechend gearbeitet.

Ich wünsche meinem Mann von Herzen, dass er auch in meiner Heimat heimisch werden kann, Orte entdecken wird, die seine Seele berühren und dass wir gemeinsam Freundschaften und Zugehörigkeiten finden werden. Auf jeden Fall werden wir die Verbindung in seine Geburtsregion immer aufrecht erhalten.

Die Schwelle in ein neues Leben

Genau heute vor zwei Monaten begann ein neues Kapitel im Leben von meinem Mann und mir. Nach jahrelanger Suche und vielen Rückschlägen sassen wir am Vormittag des 21. Juni gemeinsam mit meinen Eltern beim Notar und konnten den Kaufvertrag für unser Haus unterzeichnen.

Schon zu Beginn unserer gemeinsamen Suche waren wir uns über einige Eckpunkte einig: wir wollten ein historisches und möglichst ursprünglich belassenes Haus, zum Beispiel mit alten Balkendecken und original Fliesen ohne große Modernisierungen, wenn möglich in Alleinlage oder aber zumindest in Waldnähe. Ein weiteres wichtiges Kriterium für uns war das Vorhandensein einer eigenen Quelle.

Unsere Suche konzentrierte sich auf drei Regionen, Ostwestfalen, die Heimat meines Mannes, in der es wunderschöne historische Fachwerkhöfe gibt, den Thüringer Wald, eine Region, die mir durch einen sechsjährigen Studienaufenthalt durch ihre unverbaute Natur sehr ans Herz gewachsen ist und auf den Bayerischen Wald, meine Heimat und der Wohnort meiner Eltern. Schnell stellte sich heraus, dass unsere Wünsche gar nicht mehr so leicht zu finden sind und mehr als einmal wurde uns unser Wunschobjekt vor der Nase weggeschnappt.
Im Mai 2016 besichtigten wir das erste Mal eine, für uns bereits im Exposè sehr vielversprechende, Immobilie auf einer Waldlichtung in den Höhen des Bayerischen Waldes. Das Haus ist 200 Jahre alt und wurde in früheren Zeiten von Forstarbeiterfamilien bewohnt.

Ein eigenere Quellbrunnen sprudelt vor dem Haus und versorgt das ganze Haus mit Quellwasser. Innen ist ein original alter Steinkamin erhalten, sowie 100 Jahre alte Fliessen und autentische Türen. Wir waren bereits beim Betreten des Grundstückes begeistert von dem Haus und seiner Lage. Eingeschmiegt zwischen die Waldränder liegt es wie in einem kleinen Nest auf einer Lichtung und man ist umgeben von den Geräuschen der Waldbewohner , Vogelstimmen und dem Rauschen der Bäume.

Leider konnte der damalige Besitzer sich ebenfalls nur schweren Herzens von dem Haus trennen und wollte erst verkaufen, wenn er andernorts ein gleichwertiges Objekt gefunden hatte. Im Laufe der Zeit ergab sich eine Freundschaft zu dem Vorbesitzerehepaar und über viele Besuche hinweg hielten wir an dem Haus fest und hofften auf den Tag, an dem der Verkauf möglich werden würde. Diese Zeit gestaltet sich nicht immer leicht. Mehr als einmal verzweifelten wir über der Ungewissheit, ob wir das Warten aufgeben und nach etwas anderem Ausschaut halten oder an unserem Traumhaus festhalten sollten.

So verging die Zeit und über zwei Jahre später, im Juni 2018, erhielten wir völlig überraschend den Anruf, dass das Besitzerehepaar nun ein neues Haus in Österreich gefunden hatte und endlich alles spruchreif gemacht werden könnte. Es folgten ereignisreiche Wochen in denen alles rechtliche geklärt werden musste, bis wir schliesslich die rechtmässigen Besitzer des Bauernhauses wurden.
Noch haben wir es gar nicht ganz realisiert, wir können aktuell noch nicht vor Ort sein, da mein Mann noch seine alte Arbeitsstelle in NRW beibehalten hat. Im Herbst diesen Jahres erfolgt dann aber der große Umzug und das Einrichten unseres Hauses. Auch bei der Einrichtung wollen wir so originalgetreu wie möglich bleiben und passende Möbel und Gebrauchsgegenstände aus der Zeit integrieren.

Mit dem ersten Winter steht dann auch schon die erste große Herausforderung vor der Tür: das Haus liegt auf 900m Höhe und verfügt über keine befestigte Zufahrtsstrasse. Aber so sind eben auch die größten Lebensträume mit kleinen Hürden verbunden. Die größten Hürden liegen nun hinter uns und wir bleiben den Vorbesitzern in Dankbarkeit verbunden, dass sie uns diese Chance ermöglichen. Da ihnen der Abschied von „ihrem“ Haus sehr schwer fällt und als Zeichen unseres Dankes habe ich ihnen als Erinnerung ein Bild des Hauses gemalt.

Nun bleibt mit Spannung abzuwarten, was die Zukunft alles für uns bereit hält und den Moment der Vorfreude auszukosten, sowie gleichsam die Gewissheit, dass sich im Leben alles fügt, selbst wenn man dafür stellenweise schwierige Strecken in Kauf nehmen muss.